O glücklich, wen die holde Kunst in Frieden mit jedem Frühling lockt auf neue Flur! Vergnügt mit dem, was ihm ein gott beschieden, zeigt ihm die Welt des eignen Geistes Spur...

(Goethe, aus: Abschied)

Biografie Goethe

Der Versuch einer Biografie über den berühmten deutschen Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe.

Herkunft und Elternhaus

Johann Wolfgang von Goethe, geboren am 28. August 1749, als Bürger der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, stammte von seiten des Vaters aus einer thüringischen Familie von Bauern, Handwerkern und Gastwirten. Mütterlicherseits aus einem südwestdeutschen Gelehrten- und Juristengeschlecht.

Friedrich Georg Goethe, Schneider aus Artern im Mansfeldischen, also der Vater des Vaters von Goethe, hatte sich nach Jahren der Wanderschaft in Frankfurt niedergelassen und wurde hier durch Einheirat Gastwirt "Zum Weidenhof".

Sein Sohn Johann Caspar Goethe, also der Vater von Geothe, konnte als einziger Erbe eines beträchtlichen Vermögens Rechtswissenschaften studieren und durch verschiedene Bildungsreisen (Frankreich, Italien), grosse Kenntnisse erwerben.

Erfolglos blieb der Versuch, eine Stellung im Frankfurter Magistrat zu erhalten. So kaufte er sich 1742 den Titel eines Kaiserlichen Rates ein. Damit wurde er gleichgestellt mit den angesehensten Bürgern seiner Vaterstadt, aber auch für immer von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen.

Ohne berufliche Verpflichtungen lebte der Vater von Goethe von seinem zweiunddrreissigsten Jahr an nur noch für seine privaten Studien und Liebhabereien.

1748 heiratete er Catharina Elisabetz Textor, Tochter des Frankfurter Stadtschultheissen Johann Wolfgang Textor. Sechs Kinder wurden dem Paar geboren, davon überlebten die früheste Jugend nur Johann Wolfgang und die um ein Jahr jüngere Cornelia.

Das Elternhaus von Goethe, das den klangvollen Namen "Zu den drei Leiern", trug und am Grossen Hirschgraben stand, nur wenige hundert Schritte vom Römerberg und von der Hauptwache der Stadt Frankfurt entfernt, spiegelte die Lebenshaltung des gebildeten Bürgertums dieser Zeit.

In Dichtung und Wahrheit erinnerte sich Goethe an diese Zeit:

"Dort war, wie ich heranwuchs, mein liebster, zwar nicht trauriger, aber doch sehnsüchtiger Aufenthalt. Über jene Gärten hinaus, über Stadtmauern und Wälle sah man in eine schöne fruchtbare Ebene; es ist die, welche sich nach Höchst hinzieht. Dort lernte ich sommerszeit gewöhnlich meine Lektionen, wartete die Gewitter ab, und konnte mich an der untergehenden Sonne, gegen welche die Fenster gerade gerichtet waren, nicht satt genug sehen. Da ich aber zu gleicher Zeit die Nachbarn in ihren Gärten wandeln und ihre Blumen besorgen, die Kinder spielen, die Gesellschaften sich ergötzen sah, die Kegelkugeln rollen und die Kegel fallen hörte: so erregte dies frühzeitig in mir ein Gefühl der Einsamkeit und einer daraus entspringenden Sehnsucht, das, dem von der Natur in mich gelegten Ernsten und Ahndungsvollen entsprechend, seinen Einfluss gar bald und in der Folge noch deutlicher zeigte."

Studienjahre

Goethes Vater bestand darauf, dass der Sohn in Leipzig Jura studieren soll. Goethe wäre lieber nach Göttingen gegangen, um sich den Altertumswissenschaften zu widmen.

Die anfängliche Begeisterung für die Stadt und das Schöngeistige, wandelten sich in Enttäuschungen. Die Vorlesungen fesselten den Sechzehnjährigen nicht und auch mit den neuen Kollegen hatte er Mühe, da sie weder seine politische Haltung teilten, noch seine Gedichte anerkennen wollten.

An seinen Freund Johann Jakob Riese schrieb er ein poetisches Bild seiner Lage:

""Ich fühlte nicht, dass keine Schwingen mir
Gegeben waren, um empor zu rudern.
Und auch vielleicht, mir von der Götter Hand,
Niemals gegeben werden würden. Doch
Glaubt, ich, ich hab sie schon und könnte fliegen.
Allein kaum kam ich her, als schnell der Nebel
Von meinen Augen sank, als ich den Ruhm
Der grossen Männer sah, und erst vernahm,
Wie viel dazu gehörte, Ruhm verdienen.
Da sah ich erst, dass mein erhabner Flug,
Wie er mir schien, nichts war als das Bemühn
Des Wurms im Staube, der den Adler sieht,
Zur Sonn sich schwingen und wie der hinauf
Sich sehnt. Er sträubt empor, und windet sich,
Und ängstlich spannt er alle Nerven an
Und bleibt am Staub. Doch schnell entsteht ein Wind,
Der hebt den Staub in Wirbeln auf, den Wurm
Erhebt er in den Wirbeln auch. Der glaubt
Sich gross, dem Adler gleich, und jauchzet schon
Im Taumel. Doch auf einmal zieht der Wind
Den Odem ein. Es sinkt der Staub hinab,
Mit ihm der Wurm. Jetzt kriecht er wie zuvor."

Goethe fand in dieser Zeit in dem Hofmeister Ernst Wolfgang Behrisch, eines in Leipzig studierenden Grafen, Beratung und Hilfe seiner Unsicherheiten wegen. Behrisch wurde zugleich einer der ersten kritischen Leser seiner poetischen Versuche. Einige stellte er in dem Liederbuch "Annette" zusammen und sorgte damit für die Erhaltung.

Goethe nahm bei Johann MIchael Stock Unterricht im Radieren und Kupferstechen und bei Adam Friedrich Oeser lernte er zeichnen. Dieser machte ihn auch mit den Kunstgesinnungen des Klassizismus bekannt.

Und Goethe fand in Leipzig seine erste grosse Liebe. In Käthchen, der Tochter der Wirtsleute, wo er seinen Mittagstisch hatte. Eine von Leidenschaft und Eifersucht geprägte Liebe.

Schon damals war es Goethe ein Bedürfnis sich in poetischem Ausdruck zu befreien von all dem, was ihn im tiefsten Inneren so aufwühlte und beschäftigte. In Dichtung und Wahrheit lesen wir:

"Und so begann diejenige Richtung, von der ich mein ganzes Leben über nicht abweichen konnte, nämlich dasjenige was mich erfreute oder quälte, oder sonst beschäftigte, in ein Bild, ein Gedicht zu verwandeln und darüber mit mir selbst abzuschliessen, um sowohl meine Begriffe von den äusseren Dingen zu berichtigen, als mich im Innern deshalb zu beruhigen. Die Gabe hierzu war wohl niemand nötiger als mir, den seine Natur immerfort aus einem Extreme in das andere warf. Alles was daher von mir bekannt geworden, sind nur Bruchstücke einer grossen Konfession, welche vollständig zu machen dieses Büchlein ein gewagter Versuch ist."

Krise und Neubeginn

In eine ernste Krise geriet Goethe am Ende seiner dreijährigen Studienzeit in Leipzig. Sein reger Wechsel zwischen Studieren und Zerstreuung hatte ihn psychisch wie physisch angegriffen. Nach einem Blutsturz im Juli 1768 schwankte er mehrere Tage zwischen Leben und Tod. In seiner Vaterschaft versuchte er sich in den folgenden eineinhalb Jahren zu erholen.

In dieser Zeit begann sich Goethe mit mystischen und pietistischen Schriften zu befassen. Von einer Freundin seiner Mutter (Susanna Katharina von Klettenberg) beeinflusst und unterstützt, konnte er sich allmählich von seiner Unrast befreien:

"Meine Unruhe, meine Ungeduld, mein Streben, mein Suchen, Forschen, Sinnen und Schwanken legte sie auf ihre Weise aus, und verhehlte mir ihre Überzeugung nicht, sondern versicherte mir unbewunden, das alles komme daher, weil ich keinen versöhnten Gott habe. Nun hatte ich von Jugend auf geglaubt, mit meinem Gott ganz gut zu stehen, ja ich bildete mir, nach mancherlei Erfahrungen, wohl ein, dass er gegen mich sogar im Rest stehen könne, und ich war kühn genug zu glauben, dass ich ihm einiges zu verzeihen hätte. Dieser Dünkel gründete sich auf meinen unendlich guten Willen, dem er, wie mir schien, besser hätte zu Hilfe kommen sollen. Es lässt sich denken, wie oft ich und meine Freundin hierüber in Streit gerieten, der sich doch immer auf die freundlichste Weise und manchmal damit endigte: dass ich ein närrischer Bursche sei, dem man manches nachsehen müsse."

Wegweisend war auch der Arzt Johann Friedrich Metz. Er weckte in Goethe das Interesse für das Forschen und die Naturvorgänge. Unter Anleitung von Metz, der grosse Kenntnisse der modernen Homöopathie hatte, unternahm Goethe selber alchimistische Versuche.

Im Februar 1769 schrieb Goethe einen Brief an die Tochter seines Leipziger Zeichenlehrers, der seine Haltung in dieser Zeit skizziert:

O, meine Freundin, das Licht ist die Wahrheit, doch die Sonne ist nicht die Wahrheit, von der doch das Licht quillt. Die Nacht ist Unwahrheit. Und was ist Schönheit? Sie ist nicht Licht und nicht Nacht. Dämmerung; eine Geburt von Wahrheit und Unwahrheit. Ein Mittelding. In ihrem Reiche liegt ein Scheideweg, so zweideutig, so schielend, ein Herkules unter den Philosophen könnte sich vergreifen. Ich will abbrechen; wenn ich in diese Materie komme, da werd' ich zu ausschweifend und doch ist sie meine Lieblingsmaterie ...
Meine gegenwärtige Lebensart ist der Philosophie gewidmet. Eingesperrt, allein, Zirkel, Papier, Feder und tinte, und zwei Bücher, mein ganzes Rüstzeug. Und auf diesem einfachen Wege komme ich in der Erkenntnis der Wahrheit oft so weit, und weiter, als andere mit ihrer Bibliothekar-Wissenschaft. Ein grosser Gelehrter ist selten ein grosser Philosoph. Und wer mit Mühe viel Bücher durchblättert hat, verachtet das leichte einfältige Buch der Natur, und es ist doch nichts wahr als was einfältig ist."

Strassburg

Es war gegen Ostern 1770 als Goethe sein Elternhaus zum zweiten Mal verliess, um in Strassburg sein abgebrochenes Studium zu beenden.

In allem, was er tat, lebte und schrieb, brachten ihm die folgenden eineinhalb Jahre in Strassburg einen Neubeginn. In erster Linie hatte er sich einem intensiven und ernsthaften Studieren hingegeben. Allerdings nicht der Jurisprudenz, denn dafür konnter er einfach kein inneres Feuer entwickeln. Viel lieber besuchte er medizinische und staatswissenschaftliche Vorlesungen.

"Dabei müssen wir nichts sein, sondern alles werden wollen."

Auch in Strassburg fand Goethe Menschen, die ihn beeinflussten. Die einschneidenste Begegnung war die mit Herder.

Gedanken an Herder

"Die Einwirkung dieses gutmütigen Polterers, war gross und bedeutend. Er hatte fünf Jahre mehr als ich, welches in jüngeren Tagen schon einen grossen Unterschied macht; und da ich ihn für das anerkannte was er war, da ich dasjenige zu schätzen suchte, was er schon geleistet hatte, so musste er eine grosse Superiorität über mich gewinnen. Aber behaglich war der Zustand nicht: denn ältere Personen, mit denen ich bisher umgegangen, hatten mich mit Schonung zu bilden gesucht, vielleicht auch durch Nachgiebigkeit verzogen; von Herdern aber konnte man niemals eine Billigung erwarten, man mochte sich anstellen wie man wollte. Indem nun also auf der einen Seite meine grosse Neigung und Verehrung für ihn, und auf der andern das Missbehagen, das er in mir erweckte, beständig miteinander im Streit lagen, so entstand ein Zwiespalt in mir, der erste in seiner Art, den ich in meinem Leben empfunden hatte..."

Durch Herder entstand der endgültige Abstand von allem Rokokohaften. Ebenfalls konnte er Goethe für Shakespeare, Ossian und Pindar begeistern und öffnete ihm den Blick für die Volkspoesie. Es war auch die Zeit, wo er mit den Gedanken Hamanns in Berührung kam.

Auch gab es in dieser Zeit eine neue Begegnung mit einer jungen Frau, Friederike Brion, die schon nur nach einem Besuch einiges ausgelöst hatte in Goethe.

> Brief an Friederike Brion

Durch die Einflüsse von Herder und die Neigung zu Friederike Brion entwickelte Goethe Energien, die sich in einer Flut von lyrischen Projekten äusserte. Willkommen und Abschied, das Mailied und Heidenröslein sind zum Beispiel in dieser Zeit entstanden. Diese Gedichte werden zu den sogenannten Sesenheimer Liedern gezählt.

> Heidenröslein Wikipedia

Doch auch in dieser Zeit gab es Zweifel und Stimmungseinbrüche bei Goethe. In einem Brief an Johann Daniel Salzmann, den Präsens seiner Strassburger Tischgesellschaft, schrieb er:

"Der Zustand meines Herzens ist sonderbar, und meine Gesundheit schwankt wie gewöhnlich durch die Welt, die so schön ist, als ich sie lang nicht gesehen habe. Die angenehmste Gegend, Leute, die mich lieben, ein Zirkel von Freuden! Sind nicht die Träume deiner Kindheit alle erfüllt? frag ich mich manchmal, wenn sich mein Aug in diesem Horizont von Glückseligkeiten herumweidet; sind das nicht die Feengärten, nach denen du dich sehntest? - Sie sind's, sie sind's! Ich fühl es, lieber Freund, und fühle, dass man um kein Haar glücklicher ist, wen man erlangt, was man wünschte. Die Zugabe! die Zugabe! die uns das Schicksal zu jeder Glückseligkeit drein wiegt! Lieber Freund, es gehört viel Mut dazu, in der Welt nicht missmutig zu werden ..."

Goethe unternahm den Versuch sein Studium mit einer Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften abzuschliessen. Dies ohne Erfolg. Seine Ansicht, in der eingereichten Dissertation, die christliche Lehre stamme nicht von Jesus, sondern sei von anderen unter seinem Namen verkündet worden, war für die juristische Fakultät ein zu heikles Thema.

Goethe durfte sich jedoch als Ersatz durch einfachere Thesen um das Grad eines Lizentiaten des Rechtes bewerben. Das war damals dem Titel eines Doktor juris gleichgestellt.

Ob Goethe die Prüfungen ernst nahm, bleibt verschwommen.

Einige Tage nach der Prüfung am 6. August 1771, besuchte Goethe Friederike Brion zum letztenmal. Was er ihr allerdings nicht sagte. Die Trennung vollzog er erst von Frankfurt aus. Als Grund gab er seine eigene Unsicherheit an.

"Die Antwort Friederikens auf einen schriftlichen Abschied zerriss mir das Herz... . Ich fühlte nun erst den Verlust, den sie erlitt, und sah keine Möglichkeit ihn zu ersetzen, ja nur ihn zu lindern. Sie war mir ganz gegenwärtig; stets empfand ich, dass sie mir fehlte, und was das Schlimmste war, ich konnte mir mein eignes Unglück nicht verzeihen... . Hier war ich zum erstenmal schuldig; ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich."

(© geschrieben von Monika Minder, 30. Nov. 2016)

Quellen:
Goethe Bildmonographie, Peter Boerner, Rowohlt Verlag, 1964/1992.
Goethe Brevier, Reclam 1989. Hrsg. Johannes John.
zeno.org

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